Utopie juristische Ausbildung

Wir haben sieben Expert:innen dazu befragt, wie eine Utopie für die juristische Ausbildung aussehen könnte. Ihre Beiträge können zum Nachdenken über eine andere juristische Ausbildung anregen. Die Vielfalt der Perspektiven zeigt, wie vielfältig die juristische Welt ist. Wir freuen uns mit dieser Plattform eine Diskussion anzustoßen und wünschen uns viele weitere Beiträge.

Prof. em. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem

Wir beginnen mit einer Einleitung von Prof. Dr. Hoffmann-Riem (BVerfGRi a.D.), der sich bereits seit vielen, vielen Jahren kontinuierlich für eine Reform und Überarbeitung der juristischen Ausbildung einsetzt. Er betont, dass die Diskussion um eine Reform der weiter gehen müsste, als bloß vergangene Forderungen darzustellen. In diesem Sinne können auch die weiteren Beiträge die langfristige Debatte stärken.

Prof. Dr. Stephan Breidenbach

Prof. em. Dr. Stephan Breidenbach war Professor in Frankfurt (Oder) und Wien. Er ist außerdem Mediator und Herausgeber der Zeitschrift REthinkingLaw. Er beschäftigt sich mit einem neuen Verständnis der juristischen Ausbildung und hat zusammen mit Prof. Dr. Ulla Gläßer die New School of Law entworfen. Sie plädieren für einen Fokus der Ausbildung auf das Denken, Handeln und Sein. Stephan Breidenbach fordert die Ausbildung als solche zu hinterfragen und grundsätzlich neu auszurichten. Ein Teil davon könnte sein, den Stoff radikal zu kürzen – vielleicht sogar um 90 %.

Dr. Geertje Tutschka

Dr. Geertje Tutschka ist Managing Partner bei CLP und hat in Deutschland, Österreich und den USA praktiziert. Sie ist Präsidentin des Deutschen Anwaltvereins Österreich und berät Anwältinnen und Anwälte. Sie bringt ihre eigene internationale Erfahrung und die Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit vielen anderen Jurist:innen in den Diskurs ein. Sie spricht sich für eine Gesamtbetrachtung sowie Verzahnung von Entwicklungen in Juristerei und Gesellschaft aus und stellt u.a. die Frage, ob die Gesellschaft oder die Juristerei Prägungen vorgeben sollte.

Prof. Dr. Ulla Gläßer, LL.M.

Prof. Dr. Ulla Gläßer, LL.M hat die Professur für Zivilrecht, Zivilprozessrecht und Mediation an der Universität Frankfurt (Oder) inne. Zusammen mit Prof. em. Dr. Stephan Breidenbach hat sie die New School of Law entworfen. Sie plädieren für einen Fokus der Ausbildung auf das Denken, Handeln und Sein. Prof. Gläßer hat in diversen Fachbeiträgen auf die Bedeutung von Didaktik in der juristischen Ausbildung aufmerksam gemacht und stellt die Wahl der Perspktive in der klassischen Ausbildung in Frage. Durch einen Zusammenschluss aller, die die Ausbildung mit positiven Bildern gestalten wollen, könnten auch Privilegien und Diskriminierung in der Ausbildung neu gedacht werden.

Prof. Dr. Axel Halfmeier, LL.M.

Prof. Dr. Axel Halfmeier, LL.M. ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht an der Leuphana Universität Lüneburg. Er hat die innovative Ausrichtung der Leuphana Universität in ihren juristischen Studiengängen mit begleitet und macht sich stark für ein neues Nachdenken über die gesellschaftliche Rolle von Jurist:innen und die Konsequenzen für die juristische Ausbildung. Er betont zwar den hohen Standard, den die bisherige Ausbildung garantiert, zugleich meint er, dass durch eine breitere Ausrichtung, eine stärkere Betonung der Sozialwissenschaften und der Ökonomie, Jurist:innen wertvolle Kenntnisse für den Umgang mit der komplexen Realität erlangen. Dies wird durch eine Ergänzung des Studiums angelehnt an das Modell in Lüneburg ermöglicht.

Dr. Jens Jeep

Dr. Jens Jeep ist Notar in Hamburg und hat sich in seiner Laufbahn bereits für die Umsetzung neuer Konzepte der juristischen Ausbildung eingesetztm, u.a. beim Aufbau der Bucerius Law School in Hamburg. Die juristische Ausbildung bisher honoriert seiner Meinung nach zu oft das Auswendig Lernen und ist zu fokussiert auf das Staatsexamen als den einzigen Weg. Um die Vielfalt der Möglichkeiten für den Einsatz von juristischen Fähigkeiten zu ermgölichen hat er ein eigenes Modell für eine neue juristische Ausbildung erarbeitet. Das sog. 4-Stufen Modell erklärt er in diesem Video. Das Modell basiert auf dem Bachelor-Master-System und zugleich einem Staatsexamen und Referendariat als Zugangsvoraussetzung für die reglementierten Berufe. Es soll zugleich das Studium mit der Praxis verbinden.

Dr. Arnim Rosenbach

Dr. Arnim Rosenbach ist Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter an der LMU München und HU Berlin. Er lehrt im „lege artis“ Seminar,  die juristischen Grundlagen als Kernbaustein einer erfolgreichen juristischen Ausbildung. Ziel ist es, Jurist:innen zu befähigen juristische Sachverhalte mit den richtigen methodischen Werkzeugen zu bearbeiten – eine Fähigkeit, die trotz stetiger Betonung häufig fehlt. Seine Utopie ist deshalb eine juristische Ausbildung, die das juristische Denken schult und den Methodenkanon ins Zentrum dieser Ausbildung stellt.

Jan-Philipp Mollenhauer

Jan-Philipp Mollenhauer hat bereits viele Menschen begleitet, die das juristische Staatsexamen nicht bestanden haben. Er erklärt in diesem Video wie die juristische Ausbildung aus seiner Sicht so gestaltet werden kann, dass sie alle mitnimmt – ohne schlechter zu werden. Dabei hilft seiner Meinung nach ein Blick über den Tellerrand ins europäische Ausland, um Inspirationen für die Ausgestaltung der juristischen Ausbildung zu erhalten. 

Senden Sie uns Ihre Utopie

Wir wollen von Ihnen hören: Was sagen Sie zu den Vorschlägen? Beantworten auch Sie unsere Fragen in einem Video und senden Sie es uns zu:

Was macht Jurist:innen für Sie persönlich aus?

Welche Fähigkeiten brauchen Jurist:innen, um – aus Ihrer Perspektive – gute Jurist:innen zu sein?

Wie müsste sich die Ausbildung verändern, um Ihrem Bild von den „guten“ Jurist:innen gerecht zu werden? Wie wäre das Studium organisatorisch gestaltet?

Was wäre Ihre Utopie für die juristische Ausbildung in einer nicht all zu fernen Zukunft?

Und wie kommen wir da hin?